Darstellung von Videospielen in den Medien

Im Zeitalter der Elektronik ist das Spielen am Computer bzw. an Konsolen eine häufige Freizeitbeschäftigung sowohl für Jugendliche als auch so manchen Älteren. Bei Erwachsenen und den Medien stößt das auf wenig Gegenliebe und der Zeigefinger wird schnell erhoben. Dabei wird jedoch häufig mit unlauteren Waffen gekämpft. In diesem Beitrag möchte ich, als jemand, der keine Videospiele spielt und sich trotzdem gut informiert fühlt, die Problematik an ein paar Beispielen erläutern.

 

Klischees

Oftmals wirkt es von Seite der Medien und insbesondere des Fernsehens so, als wollten sie zunächst einmal zwanghaft versuchen, das gängige Klischee eines Spielers zu bestätigen. Computerspiele sind nicht gut, also stellt man auch die jeweiligen „Gamer“ als verrückte, vermeidbare Personen dar. Häufig haben Spieler also keine Freunde, tun nichts anderes, als vor ihrem Spielgerät zu sitzen, haben wahlweise lange Haare, eine Brille oder eine kräftige Figur und sind außerhalb ihrer Spielwelt nicht lebensfähig. Ein Beispiel für die verzerrte Darstellung im Fernsehen findet man zum Beispiel unter folgendem Link: In diesem Beitrag aus dem Jahr 2011 von RTL über die „GamesCom“, die weltweit größte Messe für Videospiele, wurden Spieler als Freaks dargestellt; das Ganze untermalt mit Musik und spöttischen Kommentaren. Ein Zitat daraus: „Sollten irgendwann doch Außerirdische bei uns auf der Erde landen, könnten sie auf folgender Veranstaltung wirklich enge Freundschaften schließen.“

Zwar gab es nach einem massiven Aufschrei eine Entschuldigung seitens des Senders, dass sie ihre Meinung grundlegend geändert haben, ist allerdings zu bezweifeln. Vielmehr könnte dies als Versuch gedient haben, die negative Berichterstattung schnellstmöglich zu unterbinden.

Natürlich gibt teilweise Personen, auf die einige genannte Eigenschaften zutreffen. Das sind aber meist Extremfälle, d.h. es trifft nicht automatisch auf jeden zu, der sich gerne mit Videospielen beschäftigt.

 

„Killerspiele“

Beim Spielen bleibt es oft nicht bei harmlosen Jump ’n’ Runs oder Simulationsspielen, sondern auch die so genannten „Ego-Shooter“ wie etwa „Call of Duty“, „Counterstrike“ oder „Battlefield“ erfreuen sich großer Beliebtheit. Auf der anderen Seite hingegen sind dies die Spiele, bei der viele entrüstet aufschreien und sie am liebsten verbannen würden. Leider wird oftmals alles in eine Schublade mit der Aufschrift „Killerspiele“ bzw. „Ballerspiele“ geworfen, ohne sich genauer darüber zu informieren.
Tatsächlich ist es nämlich so, dass es bei diesen Spielen nicht um das pure, blinde Töten an sich geht. Bei Counterstrike etwa spielt man im Mehrspielermodus u.a. in zwei Gruppen gegeneinander, von denen eine das Ziel hat, Geiseln zu befreien und zu diesem Zweck mitunter das böse, gegnerische Team ausschalten muss. Verletzt man eine Geisel, gibt das übrigens Minuspunkte. Das ist nicht so realitätsfern, oder? Nimmt eine Person andere Menschen gefangen, versucht die Polizei auch, unbeschadet die Geiseln zu befreien. Im Notfall werden dann eben die Waffen gezückt – aber nur, um Leben zu retten, nicht aus Spaß am Töten.
Außerdem darf man nicht vergessen, dass solche Spiele erst ab 16 bzw. 18 Jahren freigegeben sind. Spieler jüngeren Alters sollten mit diesem Genre daher ohnehin nicht in Kontakt kommen.

Statt zu informieren, schwingen die Medien lieber weiter ihre „Killerspiel“-Keule. Beinahe zwanghaft wollen sie den Zuschauern weismachen, wie schlecht solche Spiele sind, weshalb manchmal auch ordentlich gefälscht wird. Auch dazu findet man auf YouTube zahlreiche Beispiele von Sendungen, seien es Reportagen oder Talk-Shows, in denen bestimmte Aussagen entweder falsch dargestellt oder teilweise ganze Szenen inszeniert werden. In diesem Beitrag kann man etwa sehen, wie bewusst ein normales Spiel für Kinder für ein Ballerspiel ausgegeben wird, was der unbedarfte Zuschauer nicht weiß. Dass eine Kamera dabei ist, während die Kinder gerade spielen, und die Mutter zufällig hereinkommt, wirkt nicht weniger gestellt.

 

Killerspiele machen Amokläufer

Besonders nach Amokläufen (hier in Deutschland zum Beispiel nach Winnenden ’09) kochen die Diskussionen über „Killerspiele“ hoch, bevor sie dann Wochen später ohne Ergebnis wieder abflachen. Eine These taucht dabei häufiger auf: Killerspiele verführen Menschen dazu, zu potenziellen Amokläufern zu werden. Ob die jeweiligen richtigen Amokläufer mit solchen Spielen überhaupt in Kontakt gekommen sind, interessiert niemanden. Stattdessen wird wieder in der Klischeekiste gewühlt (Amokläufer hatte wenige Freunde, verhielt sich unauffällig, usw.), ohne einmal auf die Hintergründe einzugehen. Ob der Schüler Probleme mit der Familie/Schule hatte, wird nur beiläufig erwähnt und schnell wieder vergessen. Übrig bleibt: Killerspiele sind schlecht.

Dabei wird jedoch immer wieder verallgemeinert. Nur weil man ein Spiel spielt, das mit Waffen zu tun hat, heißt das nicht, dass man im realen Leben die Lust verspürt, Menschen zu erschießen. Das mag vielleicht (!) auf ganz ganz wenige zutreffen, aber sicher nicht auf jeden Spieler von Ego-Shootern und erst recht nicht auf jeden Amokläufer. Wenn jemand ein Autospiel spielt, heißt das auch nicht, dass er auf einmal wie verrückt durch die Straßen rast und jeden überholt. Übrigens kann man auch dort Unfälle verursachen, die im echten Leben nicht einfach nach einer Sequenz beseitigt wären. Darüber regt sich merkwürdigerweise keiner auf.

 

Fazit

Es wird bezüglich Computerspielen und deren Konsumenten leider viel zu oft mit Stereotypen hantiert, anstatt die Realität zu beleuchten. Im Fall des Fernsehens in Bezug auf die Videospieler steht meiner Meinung nach die Effekthascherei im Vordergrund. Da werden friedliche Videospieler vorgeführt und als fremd und merkwürdig dargestellt, damit die Zuschauer lachen und sich auf die Schulter klopfen können, dass sie nicht so eigenartig sind. Sieht man bekanntlich auch an gewissen gescripteten Serien im Nachmittags- und Abendprogramm.
Viel lieber sollten Sender Aufklärung über solche Spiele betreiben. Einerseits wissen manche gar nicht, was solche Spiele sind, wodurch sie dann ein völlig falsches Bild vermittelt bekommen, andererseits kann man durchaus Kritik an ihnen üben. Nur nicht so pauschal.

One comment

  • Mich nervt das so dermaßen, als was die Gesellschaft und die Medien darstellen. Fett, hässlich, für immer alleine, ungewaschen. Warum macht man sowas überhaupt? Damit man sagen kann “Hah. Wir kennen die zwar nicht, aber machen wir sie trotzdem runter weil wir sie nicht mögen”. Echt schrecklich.

Und was denkst du dazu?