Gedanken einer entschwindenden Schülerin

“Do you remember and long for the past
When love was eternal and joy seemed to last?
Yesterday forever is gone”
– Alter Bridge: Life must go on

Recht bald schon ist meine Schulzeit vorbei; vom heutigen Tage aus sind es nicht einmal mehr zwei Monate, wobei der eigentliche Unterricht davon noch zweieinhalb Wochen beträgt.

Für den, der jetzt erst zu begreifen beginnt, welches Kapitel seines Lebens in wenigen Wochen enden wird, ist es vermutlich schon zu spät, um all das, was passiert ist, noch einmal reflektieren zu können. Ja, wahrscheinlich sollte man in jedem Moment das Bewusstsein haben, dass das alles – die schönen Stunden, die verbrachten Momente – nicht überdauern wird. Letztlich ist die Schule ein Treffpunkt für eine große Anzahl verschiedener Menschen, die täglich für mehrere Stunden zusammenkommen, um zu lernen und gemeinsam die Zeit zu verbringen. Und wenn die Schulzeit endet, geht jeder unterschiedliche Wege bzw. man kommt nicht wieder in diesem Rahmen zusammen.

Während man als Schüler eher dazu neigt, die Schulzeit zu verteufeln und sich nach längeren Ferien zu sehnen, habe ich schon oft von ehemaligen Schülern gehört, dass eine solch schöne Zeit nicht wiederkommt.

Was kommt, kann natürlich niemand wissen und manchmal neigt man dazu, Vergangenes in einem besseren Licht zu sehen. Ich zumindest habe insgesamt viele lustige und interessante Jahre erlebt, wozu Schüler wie Lehrer beigetragen haben.
Ja, auch Lehrer gehören dazu. Manche mag man mehr, andere weniger oder gar nicht. Es gibt so unglaublich viele verschiedene Charaktere, manche sind gutmütig, manche streng, manche korrekt und andere nachlässig. Man muss lernen, sich mit ihnen zu arrangieren. Anders funktioniert es nicht, denn sie sitzen am sprichwörtlichen längeren Hebel und spielen im Zweifelsfall die Karte mit dem Titel “schlechte Note” aus.

Viele Lehrer versuchen perfekt zu sein; in ihrem Auftreten, in ihrem Unterricht. Umso merkwürdiger ist es, wenn es ihnen nicht gelingt. Tatsächlich bleibt Perfektion oftmals nur ein entferntes Ideal. Leider wollen manche Lehrer Fehler nicht einsehen oder sich eingestehen, dass ein Schüler in einem Bereich Wissen und Interessen hat, die über die Themen im Unterricht hinausgehen bzw. den Lehrer übertreffen.

Ehrlicherweise ist die Situation der Lehrer im Unterricht nicht unbedingt einfach. Oft genug sind sie überfordert mit den Schülern und wenn man manchmal hört, was sich gewisse Schüler erlauben, kann es ihnen wohl keiner verdenken.

Wenn Schüler sich lieber ihren Smartphones als dem Unterrichtsgeschehen widmen, ist es verständlich, dass der Lehrer nicht davon ausgeht, dass dort irgendwo in der Menge jemand ist, der sich aufrichtig für den Unterricht interessiert.

Allerdings ist es die Leistung, an der sich Lehrer wie Schüler messen muss. Was ist heutzutage der Anspruch eines Lehrers? Wenn es der ist, den vorgeschriebenen Lehrplan zeitgemäß abzuarbeiten, wobei so manch wichtiges Thema auf der Strecke bleibt, was theoretisch dazu führen kann, dass ein Schüler eines Grundkurses mit einem größeren Wissen als der Leistungskursschüler die Schule verlässt, weil dieser zwar tiefer die Materie behandelt hat, aber keinen Gesamtüberblick besitzt, dann hat er seine Aufgabe vollständig erfüllt.

Wenn es der ist, vornehmlich lustig zu sein und sich deshalb mit den Schülern zu verstehen, dann hat er seine Aufgabe vollständig erfüllt.

Wenn es der ist, sich zu beschweren, dass viele nicht die Hausaufgaben erledigen, ohne konsequent dagegen vorzugehen, dann hat er seine Aufgabe vollständig erfüllt.

Wenn es der ist, sich über zu viele schlechte Noten zu beklagen und im nächsten Test, in dem es nur guten Noten gibt, zu äußern, dass der Test „zu gut“ ausgefallen sei, dann hat er seine Aufgabe vollständig erfüllt.

Aber ist es nicht viel wichtiger, einen vollständigen, interessanten Unterricht zu gestalten, bei dem die Leidenschaft und die Motivation des Lehrers auf seine Schüler überspringen? Vielleicht wollen die Schüler diese Leidenschaft nicht, vielleicht ist sie nutzlos. Andererseits wird es oft auch gar nicht erst versucht.
Es hilft bereits, wenn beide Seiten voneinander wissen, welche Meinung sie zu einem bestimmten Thema oder Fach vertreten. Oftmals weiß der Lehrer nämlich gar nicht, wen er da unterrichtet und umgekehrt hat der Schüler Angst vor dem älteren Fremden am Lehrerpult. Ebenso wird die Kraft eines aufbauenden, netten Wortes unterschätzt. Dabei kann selbst ein ernst gemeintes „Danke“ helfen, Brücken zu überwinden. Von beiden Seiten.

Letztlich bleibt wohl die Einsicht, dass es eine der größten Hürden ist, die beste Mischung aus Verständnis auf der einen und Konsequenz auf der anderen Seite zu finden.

Bald werden wir Schüler in die Eigenständigkeit entlassen und manchmal frage ich mich, wie viel von dem erlernten Wissen nach Jahren noch übrig bleibt, wenn ich beispielsweise daran denke, wie viel ich bereits vergessen habe.

Was hat Unterricht für einen Wert, wenn nach dem Schulabschluss alles vergessen ist? Häufig wird über unser System geklagt, das ein „allgemeines“ Wissen erstrebt, mit dem man jedoch im alltäglichen Leben nicht viel anfangen könne.

Ich weiß nicht, ob es ein besseres System gibt; ob mehr Geld oder eine Umstrukturierung helfen würden, Lehrkräfte zu entlasten und intensiver auf die Bedürfnisse der Schüler einzugehen. Es gibt viele Faktoren die zu dieser Unzufriedenheit beitragen, mögen sie „Politik“, „Lehrer“ oder „Lehrplan“ heißen. Letztlich sind überall Menschen beteiligt, mit denen das Gesamtwerk steht und fällt.

Zumindest weiß ich, dass dieses Kapitel, das bald endet, ein prägendes und ereignisreiches war, das ich nicht vergessen werde.

Und was denkst du dazu?