Klausuren und Hausarbeiten – Ihre Vor- und Nachteile

Klausuren und Hausarbeiten – die beiden großen Prüfungsarten am Ende jedes Semesters. Welche Prüfung man ablegt, kann man in den seltensten Fällen selbst frei entscheiden. Trotzdem gibt es Präferenzen – nicht nur unter Studierenden, sondern auch unter Dozenten – welche Prüfungsart man persönlich bevorzugt. Da ich diesbezüglich schon verschiedene Aussagen von Studierenden gehört habe und auch von Studienanfängern des Öfteren gefragt worden bin, was mir leichter falle, wollte ich einfach mal – jetzt, wo ich nur noch drei Prüfungen vor der Masterarbeit zu absolvieren habe – meine Erfahrungen und Einschätzungen festhalten.

Prüfungsarten gibt es an sich relativ viele. Neben Klausuren und Hausarbeiten existieren u. a. auch mündliche Prüfungen oder Portfolios. In meinem Studiengang (= B.A./M.A.) gibt es aber im Prinzip nur die ersten beiden (abgesehen von mündlichen Abschlussprüfungen, die zähle ich aber nicht dazu), mit einem klaren Fokus auf Hausarbeiten. Häufig ist es so, dass zu Studienbeginn ausschließlich Klausuren und später überwiegend Hausarbeiten geschrieben werden, so auch in meinen Fächern.

Von meinen 21 bisherigen Prüfungen waren 8 Klausuren und 11 Hausarbeiten sowie 2 andere Prüfungsarten (Bachelorprüfung nicht einberechnet; und ja, das habe ich extra nachgeguckt!). Im Bachelor hatte ich gleich viele Klausuren und Hausarbeiten, jetzt im Master hingegen gibt es Klausuren so gut wie gar nicht mehr, obwohl sich Dozenten in manchen Fällen auch für eine Klausur entscheiden könnten. Dabei werden, so nach meiner Erfahrung, Klausuren von den meisten Leuten lieber geschrieben als Hausarbeiten.
Klausuren haben den großen Vorteil, dass sie schnell erledigt sind, sowohl was die Vorbereitung als auch die eigentliche Prüfungszeit angeht (gemeint ist hier natürlich der quantitative Aspekt, nicht der qualitative!). Im Unterschied zu Hausarbeiten bereitet man sich bei Klausuren eine gewisse Zeit intensiv darauf vor (wenn es nicht gerade das Staatsexamen ist, meist ein paar Tage bis Wochen) und wendet dann während der Klausur sein ganzes Wissen an. Nach der Prüfung hat man alles hinter sich und kann mehr oder weniger „entspannt“ auf das Ergebnis warten.

Der Aufwand bei Hausarbeiten ist dagegen ungleich größer. Angefangen bei der Themensuche und Eingrenzung, was sich oft als anstrengender erweist als man denkt, über die Literaturrecherche, die Zeit, die man in Sprechstunden verbringt, um das Thema zu besprechen, das Schreiben bis zum Korrigieren und Formatieren, vergehen mühsame und nicht selten frustrierende Tage. Hausarbeiten bieten meines Erachtens jedoch auch einige Vorteile. Einer davon ist der, dass man seine Zeit freier einteilen kann und weniger unter Stress steht (zumindest wenn man ihn sich nicht gerade selbst schafft und drei Tage vor Abgabe anfängt). Bis zum Abgabetermin kann man nach eigenem Bedarf an der Hausarbeit arbeiten und zwischendurch auch mal andere Dinge tun. Sicherlich trifft das in gewisser Weise auch auf Klausuren zu; da diese allerdings häufig direkt am Ende der Vorlesungszeit stattfinden, ist der Druck größer, bis zum entscheidenden Tag alles Relevante gelernt zu haben. Da wären wir auch schon beim nächsten Kriterium: dem Lernen. Logischerweise beruhen Klausuren im Kern auf auswendig gelerntem Wissen, Hausarbeiten auf der Bearbeitung einer eigenen Fragestellung. Wenn man weiß, dass eine Veranstaltung mit einer Klausur abschließt, beginnt der Stress praktisch schon während des Semesters. Ständig muss man aufmerksam sein, alles Gesagte aufnehmen und notieren, weil es ja in der Klausur abgefragt werden könnte. Wenn einen hingegen eine Hausarbeit als Prüfung erwartet, ist es – zugespitzt gesagt – nicht notwendig, alles Gesagte aufzuschreiben oder verstanden zu haben, weil die Hausarbeit ohnehin nicht auf die Veranstaltungen referiert und thematisch einen eingeschränkten Bereich bearbeitet.

Den größten Vorzug, den ich persönlich an dem Format ‘Hausarbeit’ sehe, ist – neben meinem Spaß am Schreiben – dass ich ihr weniger ausgeliefert bin als der Klausur. Wenn ich in der Klausur einen schlechten Moment erwische, ich zeitlich nicht zurecht komme oder eine Frage zu kompliziert formuliert ist, dann schlägt sich das negativ in der Note nieder, egal, ob ich sehr gut vorbereitet war oder nicht. Wenn ich bei der Arbeit an meiner Hausarbeit hingegen einen schlechten Tag habe oder mir nichts mehr einfällt, dann höre ich einfach auf zu schreiben und setze später wieder an. Zwar sitzt am Ende immer noch der Dozent, der mir eine schlechte Note geben kann, aber dann scheitert es wenigstens nicht an äußeren Umständen.

Letztlich ist es Geschmackssache, was man bevorzugt. Schöner wäre es natürlich, ein bisschen mehr Auswahl bei der Prüfungsart zu schreiben, um im Zweifelsfall nicht nur Klausuren und nicht nur Hausarbeiten schreiben zu müssen. Aber bis dahin muss man eben Vorlieb nehmen mit dem, was einem vorgesetzt wird.

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