Lyrikedition: Bunt gewürfelt

Kreativ zu sein, ist eine Menge Arbeit. Manchmal wirkt Kunst so, als hätte man sie einfach aus den Ärmeln geschüttelt. Dem ist in den meisten Fällen aber nicht so. In meinem Fall fangen die besten Ideen aber zumindest sehr spontan an. Auf Knopfdruck kreativ zu sein, führt bei mir dagegen nicht unbedingt zu guten Ergebnissen.

Genau solch einen spontanen Moment hatte ich letzte Woche – und das Ergebnis hiervon will ich auf dieser Seite präsentieren. Entstanden ist nämlich meine erste kleine Lyrikedition, die bei ihrer neuen Besitzerin schon Anklang gefunden hat (wäre das nicht der Fall gewesen, wäre jene hier nie erwähnt worden, aber so kann ich guten Gewissens ein paar Zeilen darüber schreiben.)

Es war nicht lange nach dem Aufwachen, das weiß ich noch. Ich habe darüber sinniert, wie ich bestimmten Personen eine kleine weihnachtliche Freude in diesen doch eher trostlosen Tagen machen kann. Zu diesem Personenkreis zählt auch eine Kollegin von mir (immer noch merkwürdig, das zu schreiben!) bzw. meine Lieblingsdozentin aus dem Studium (hihi, hier kann ich das ja schreiben), eine herzensgute Frau und offen für Kreatives und Lyrisches. Da kann ich also nicht einfach mit etwas Beliebigem kommen.

Und ab dem Moment hat sich alles quasi von selbst zusammengefügt. Ich wusste: Es muss etwas Lyrisches sein. Also Gedichte, natürlich selbst verfasst. Aber wie präsentieren? Ich bastele nicht (mehr) allzu oft, aber gute Materialien sammele ich immer noch. Mir fiel ein Pappkarton in Würfelform ein, den man auf einer Seite öffnen konnte und den ich für genau solch einen Zweck aufgehoben habe. Die Idee war geboren, diesen Würfel mit Gedichten zu füllen. Fehlt nur noch ein Titel, dachte ich mir.

Manchmal denke ich wirklich lange über Titel nach. In dem Fall hat aber eines zum anderen gefunden: Bunt gewürfelt sollte der Titel werden. Lyrik ist so vielfältig, eben buntgewürfelt und mein noch langweilig-brauner Lyrikwürfel sollte auch bunt werden. Würfeln konnte man mit ihm ja schon. Prompt habe ich also meine Mappe mit allerlei Bastelmaterialien hervorgezogen und überlegt, wie ich den Würfel gestalte. So viel kann ich verraten: An jenem Tag war ich mit nichts anderem mehr beschäftigt. Verarbeitet habe ich grünes und weißes Moosgummi, mit dem ich die Innenseiten des Würfels beklebt habe (zwischenzeitlich ein kurzer Schreckmoment, als ich dachte, ich kriege deshalb den Deckel nicht mehr zu!), außerdem glitzernde, von selbst klebende Goldfolie und dickere Goldfolie, um etwas “höfischen Flair” hineinzubringen. Den Deckel der Innenseite habe ich außerdem mit einem Tierbild verschönert, das ich zufällig auf Vorrat hatte. Für die äußeren Seiten habe ich eine wie für diesen Anlass gemachte bunte Pappe verarbeitet. Auf den Deckel kam in Buntschrift auf weißem Kopierpapier der Name der Edition. Da ich (leider?) perfektionistisch veranlagt bin, hat allein das Aussuchen der Schriftart bestimmt eine Stunde eingenommen inklusive mehrerer Probeausdrucke, um zu vergleichen, was nun am besten aussieht.

Sobald der Würfel fertig gestellt war, ging es ans Schreiben der Gedichte, was dann auch noch den folgenden Tag in Anspruch genommen hat. Herausgekommen ist eine bunte Mischung an Texten, die auf verschiedene Materialien gedruckt wurden: winterliches Papier, Folie und normales Kopierpapier sind hier zum Einsatz gekommen (gerne wäre ich noch etwas vielfältiger geworden, aber leider ist mein Buntpapiervorrat zur Neige gegangen und Pappe bedruckt mein Drucker nicht). Damit die Gedichte in den Würfel passen, habe ich sie aufgerollt und mit Bindfaden oder ganz dünn geschnittenen Resten der Goldfolie fixiert. Gebettet habe ich sie auf eine Serviette mit einem glücklichen Elefanten als Muster, sodass sie nicht ganz verloren im Inneren schlummern müssen.

Nach zwei anstrengenden, aber auch sehr spaßigen Tagen war der Lyrikwürfel fertig (kein Meisterwerk der Verarbeitung, aber immerhin war ich zufrieden). Ob er auch gelungen war, konnte nur die Empfängerin sagen – und ja, sie war sehr zufrieden damit. :) Es hat sich also gelohnt! (Dinge zu verschenken und dann zu sehen, wie sich das Gegenüber freut, ist einfach so viel schöner als selbst etwas auszupacken!)





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