Reisebericht zu Weimar

Ende Juli habe ich mich zum zweiten Mal in den Osten Deutschlands, genauer gesagt, nach Weimar begeben, und halte es nun für ein gute Idee, einen kleinen Reisebericht dazu zu veröffentlichen. Ich möchte mich dabei auf die wichtigsten Aspekte beschränken, denn es gibt meiner Meinung nach nichts Eintönigeres, als in einem Bericht lesen zu müssen, wann man wo angekommen ist und was man verzehrt hat.

 

Anreise

Weimar kann mit dem Auto über die Autobahn (A4) erreicht werden, es besteht allerdings auch eine Anbindung an den Schienenverkehr mit einem, wie ich finde, sehr schön gestalteten Bahnhof. Neulich habe ich interessanterweise festgestellt, dass hier von Mainz aus eine Direktverbindung nach Weimar besteht; wenn man jedenfalls nicht den mitunter langen Weg mit dem Auto antreten will, ist die Zugreise sicher ein bequeme Alternative. Wenn doch, sei hier noch erwähnt, dass es überall verteilt Parkhäuser und Parkmöglichkeiten gibt, die nicht sehr teuer sind.

 

Atmosphäre

Weimar hat einen unglaublichen Flair, wie man heutzutage wohl sagen würde. Dazu tragen vor allem die hohen und eindrucksvoll gebauten Gebäude aus alten Zeiten bei, aber auch die Tatsache, dass Weimar mit seinen 63.000 Einwohnern keine Großstadt ist. Wenn man sich nur auf die „Kernstadt“ beschränkt und die Stadtteile außer Acht lässt, ist praktisch jeder Ort zu Fuß erreichbar. Autolärm gibt es hier natürlich auch und sehr viele Touristen, weshalb immer etwas los ist, aber bis auf ein paar Fußgängerpassagen habe ich nie das Gefühl, von Menschenmassen überlaufen zu werden. Zur Atmosphäre trägt ebenfalls bei, dass überall Grün zu finden ist, sei es im weitläufigen Park an der Ilm, der wohl nicht nur für Naturfreunde anziehend ist, auf den zahlreichen Friedhöfen, die mitten in der Stadt Ruhe vermitteln, oder selbst in den Fußgängerpassagen, die von Bäumen gesäumt werden.

 

Menschen

Eine pauschale Aussage über die Menschen, denen man dort begegnet, ist natürlich nicht möglich. Mein Eindruck war jedoch, dass der überwiegende Teil sehr freundlich und zuvorkommend war, was sich zum Beispiel darin gezeigt hat, dass man in einem Museum ermäßigten Eintritt bekommen hat, auch wenn man sich nicht explizit als Schüler ausweisen konnte, oder man noch in die Kategorie „Kind“ gestuft wurde, obwohl das längst nicht mehr zutrifft. Die überarbeiteten Ticketverkäufer oder Low-Budget-Bedienungen gibt es natürlich überall.

 

Kulturangebot

Natürlich darf man bei Weimar nicht verschweigen, wovon diese Stadt lebt: Ihrer kulturellen Geschichte, geprägt durch diverse Schriftsteller und Künstler, die in der Stadt wirkten. Oder ganz heruntergebrochen: Goethe und Schiller. Wenn man ehrlich ist, würde die Stadt längst nicht so viele Touristen und Besucher anziehen, wenn man diese beiden nicht gehabt hätte.
Ich vermute einfach mal, dass anderen Personen, die dort lebten, – die herzögliche Familie mit ihren prächtigen Bauten, Nietzsche in seinen letzten Lebensjahren, Franz Liszt, Lukas Cranach, wohl auch Wieland und Herder – im Allgemeinen auf viel weniger Interesse stoßen als jene Dichter. (Interessanterweise habe ich festgestellt, dass es bei Goethe einen größeren Zulauf gibt, als bei Schiller. Bei meinem letzten Besuch standen die Menschen vor dem Goethehaus Schlange, im Schillerhaus hingegen war fast niemand.) Dementsprechend versteht man es, diese beiden touristisch zu „verwenden“ (auszuschlachten klänge hier zu bestialisch): Von bedruckten Tellern und Tassen, über Puppen, Salzstreuer bis zu Ausstechformen gibt es alles mit den beiden. Selbst Flip-Flops habe ich gesehen, auf denen „Ich steh’ auf Goethe/Schiller“ geschrieben steht… Neben diesen „Souvenirs“ gibt es auch Werbebanner, auf denen die beiden mit Sonnenbrille abgebildet sind; auf einem Schild eines Restaurants stand: „Goethe würde hier Schnitzel essen!“

Ich sehe das ganze aber keineswegs nur negativ. Keine andere Stadt hat es in diesem Ausmaße geschafft, ihre „Stadthelden“ derart anzupreisen. Zum Beispiel Mainz: Mainz ist die Geburtsstadt von Johannes Gutenberg, dem Erfinder des modernen Buchdrucks. Welch großartige Erfindung! Zwar hat er gegenüber des Theaters ein Denkmal (vergleichbar mit dem Weimarer Denkmal), aber es käme wohl kaum einer auf die Idee, sich mit diesem Mann fotografieren zu lassen – in Weimar ist das Gang und Gäbe. Am vermeintlichen Haus des Buchdruckers hängt bloß ein Schild, aber besichtigen kann man es nicht. Souvenirs gibt es erst recht nicht. Vielleicht mögen Goethe und Schiller bekannter bzw. noch „greifbarer“ sein, als der alte Gutenberg, aber auch dieser Kult musste ja erst einmal etabliert werden.

Aber um zurück zu Weimar zu kommen: Die Stadt hat noch mehr zu bieten. Neben den Wohnhäusern der beiden Dichter gibt es zahlreiche Museen zur Stadtgeschichte und zur ansässigen Bauhaus-Universität, man kann Kirchen, Friedhöfe, Schlösser und vieles mehr besichtigen. Ich denke, für jeden Besucher ist etwas dabei, man muss sich nicht auf Literatur beschränken.

Das Kulturangebot umfasst übrigens auch drei riesige Kaufhäuser mit einem sehr großen Angebot an Dienstleistungen und Einkaufsmöglichkeiten. Souvenirläden gibt es dementsprechend auch überall. Kulinarisch gesehen kann man sich an den vielen Ständen „austoben“, die Thüringer Bratwurst anbieten.

 

Umgebung

In diesem Jahr habe ich neben Weimar auch das etwa 20 Kilometer entfernt Jena besucht, die Hochburg der Frühromantik und ebenfalls Wohnort von Schiller. Tatsächlich habe ich mir Jena immer als sehr technikorientierte Stadt vorgestellt. Als ich aber dort ankam, war ich erst einmal verwirrt, dass Jena mitten an einen Wald grenzt. Später habe ich dann festgestellt, dass Jena in einem Tal liegt, das von begrünten Bergen umgeben ist – das hätte genauso gut der Anblick des Mittelrheintals sein können! Jena hat gut 40.000 Einwohner mehr als Weimar, was man, wie ich finde, sehr deutlich am Verkehr gemerkt hat. Die Leute dort waren aber mitunter die freundlichsten, die ich auf der kurzen Reise kennengelernt habe! Auch hier gibt es wieder sehr viel Kultur zu sehen, aber auch u.a. ein Planetarium oder ein Museum zum Entdecken der Sinne.

Es lohnt sich also, auch der näheren Umgebung einen Besuch abzustatten.

 

Fazit

Generell kann ich jedem, der nicht unbedingt einen „Sommer, Sonne, Strand“-Urlaub erleben möchte, Weimar empfehlen. Die Stadt besteht zu einem großen Teil aus Literatur, aber eben nicht nur ausschließlich, wie ich hoffentlich deutlich gemacht habe. Das sollte zumindest kein Grund sein, diesen Ort zu meiden! Auch wenn ich fast alle Museen jetzt gesehen habe, würde ich jederzeit wieder dort hinfahren, einfach nur, um die Atmosphäre dieses Ortes zu genießen.

 

Bilder

 

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