Veronica Roth: “Die Bestimmung”

Viele kennen sicher Die Tribute von Panem bzw. Hunger Games, ein Werk, das sich bis heute sehr oft verkauft und mittlerweile sogar schon erfolgreich verfilmt wurde. Heute möchte ich ein Buch vorstellen, das eine ähnliche Thematik schildert wie jenes Buch, den Leser jedoch auf eine völlig andere Art zu fesseln vermag. Es trägt den Titel: Die Bestimmung.

 

Informationen

Der Roman Die Bestimmung wurde von Veronica Roth geschrieben und ist 2012 im cbt-Verlag erschienen. Die Originalausgabe erschien 2011 unter dem Titel Divergent bei Katherine Tegen Books. Es umfasst 475 Seiten.
ISBN: 978-3-570-16131-9

 

Klapptext

Was ist deine Bestimmung? In einer Welt, in der Loyalität alles ist, kann deine Entscheidung das Leben von Grund auf verändern…
Altruan – die Selbstlosen
Candor – die Freimütigen
Ken – die Wissenden
Amite – die Friedfertigen
Und schließlich Ferox – die Furchtlosen…
Fünf Fraktionen, fünf völlig verschiedene Lebensformen sind es, zwischen denen Beatrice, wie alle Sechzehnjährigen ihrer Welt, wählen muss. Ihre Entscheidung wird ihr gesamtes künftiges Leben bestimmen, denn die Fraktion, der sie sich anschließt, gilt fortan als ihre Familie.
Doch der Eignungstest, der über Beatrices innere Bestimmung Auskunft geben soll, zeigt kein eindeutiges Ergebnis. Sie ist eine Unbestimmte, sie trägt mehrere widerstreitende Begabungen in sich. Damit gilt sie als Gefahr für die Gemeinschaft. Beatrice entscheidet sich, ihre bisherige Fraktion, die Altruan, zu verlassen, und schließt sich den wagemutigen Ferox an. Dort aber gerät sie ins Zentrum eines Konflikts, der nicht nur ihr Leben, sondern auch das all jener, die sie liebt, bedroht…

 

Inhalt

Eigentlich fasst der Klappentext schon recht gut zusammen, um was es in dem Buch geht. Wie in Die Tribute von Panem spielt die Erzählung nämlich vor dem Hintergrund einer dystopischen Welt, nun jedoch nicht in ganz Amerika, sondern beschränkt auf Chicago. Die Stadt wurde von einer kleinen Regierung in die fünf oben genannten Bezirke eingeteilt, in der die einzelnen Bewohner leben. Und wenn ein Stadtteil den jeweiligen Namen trägt, gilt das tatsächlich auch für jeden einzelnen Einwohner. Die Bewohner von Ferox springen beispielsweise auf fahrende Zügen und davon wieder hinab und die „Altruaner“ tun nichts, was auch nur im Ansatz selbstsüchtig erscheint. So tragen sie beispielsweise graue, triste Kleider und feiern keine Geburtstage.
Im Mittelpunkt des ganzen Geschehens steht das sechzehnjährige Mädchen Beatrice, das sich später nur noch Tris nennt. Die Protagonistin wohnt mit Vater, Mutter und Bruder in Altruan, im Gegensatz zu ihrer Familie fühlt sie sich aber der Tugend des Bezirkes nicht zugehörig. Als Tris dann mit vielen anderen Jugendlichen zu jenem ominösen Eignungstest muss, bei dem herausgefunden werden soll, welche Bestimmung man in sich trägt, stellt sich heraus, dass sie mehrere Begabungen hat, sie also eine Unbestimmte ist, wovon jedoch niemand wissen darf.
Tris entscheidet sich bei der anschließenden Zeremonie, sich den Ferox anzuschließen – wohin man letztendlich geht, darf man sich noch selbst aussuchen. Dort hat Tris anfangs Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden. Niemanden kennt sie in dem Bezirk, der sich in einer Art Höhle befindet, und die Leiter der Gruppe behandeln sie mehr schlecht als recht.
Tris versucht trotzdem so gut es geht, sich anzupassen, zumal es bei den Ferox einige Tests zu bestehen gibt und nur die besten aufgenommen werden – alle anderen werden fraktionslos und enden mitunter als Obdachlose.
Schließlich schafft Tris den Test, findet sogar einige Vertraute und lernt Four kennen, einen der Ausbildungsleiter, mit dem sie sich nach einer Weile sehr gut versteht.
Irgendwann findet die Jugendliche allerdings heraus, dass die Ken-Fraktion mithilfe ihrer Fraktion einen Aufstand gegen die Altruan plant. Dem Schlimmsten kann das Mädchen vorerst entkommen, der Krieg hat jedoch gerade erst begonnen.

 

Schreibstil/Spannung

Das Buch ist aus der Sicht der Hauptfigur Tris im Präsens geschrieben. Es kommen sowohl längere Passagen mit wörtlicher Rede, als auch innere Monologe vor. An Jugendsprache und Themen dieser Generation mangelt es ebenfalls nicht, was die Charaktere jedoch eher glaubwürdiger erscheinen lässt, als sie in einem schlechten Licht stehen zu lassen.
Umgebung und Situationen werden detailreich von Tris beschrieben werden. Sei es die unterirdische Wohnung der Ferox oder die zahlreichen Ausflüge, die sie mit ihrer Gruppe macht.
Langeweile kommt in dem gesamten Buch nicht auf. Es gibt keine lange Vorgeschichte, sondern das Buch startet direkt mit der Bestimmung. Alles Wichtige wird im Laufe der Geschichte erklärt. Ansonsten äußert sich die Spannung gleich in mehreren Faktoren, sei es Liebe, Freundschaft oder Gewalt. In eindrucksvoller Weise nutzen sich die jungen Menschen gegenseitig aus, misshandeln sich und schrecken nicht vor dem Tod zurück. Einen großen Teil macht hierbei auch der Schreibstil aus, der in den entscheidenden Momente nicht mit rhetorischen Fragen und kurzen Sätzen geizt.

 

Struktur

Das Buch ist in 39 Kapitel aufgeteilt, die alle etwa zehn Seiten lang sind. Ein Kapitel schildert meist ein bestimmtes Ereignis.

 

Buchcover

Das Originalcover und das deutsche Cover unterscheiden sich bis auf den Titel nicht. Insgesamt ist das Cover in Blautönen gehalten. Man sieht am unteren Rand eine Skyline mit einem sumpfigen davor, was das Chicago in dem Roman darstellen soll. Darüber breitet sich eine Wolkendecke aus, die nach oben hin immer dunkler wird. Auf den Wolken ist das Zeichen der Ferox abgebildet, eine Flamme, die von einem feurigen Kreis umrundet wird. Dieses schimmert leicht, wenn man das Buch dreht.

 

Titel

Der Titel Die Bestimmung spielt auf den Test an, bei dem die Eigenschaft eines Jugendlichen herausgefunden werden soll. Der englische Titel Divergent (zu Deutsch etwa abweichend) spielt auf die Hauptfigur Beatrice an, die sich als Unbestimmte von ihren Mitmenschen unterscheidet.

 

Fazit

Auf den ersten Blick mag Die Bestimmung wie eine schlechte Kopie von Tribute von Panem aussehen, das ist das Buch aber keineswegs. Veronica Roth führt uns in eine post-apokalyptische Welt, in der ein friedliches Zusammenleben nicht möglich ist und letztlich jeder für sich allein kämpfen muss. Denn eines steht fest: es wird immer Personen geben, die die alleinige Macht haben wollen.
Mich hat das Buch vom ersten Moment an gefesselt, es nahm zur Mitte sogar noch zu und hielt sich bis zum Ende, obwohl nach der ersten großen Geheimnislüftung die Spannung und das Knistern ein wenig abnahm. Dennoch möchte ich jedem Jugendlichen und Erwachsenen ans Herz legen, dem Dystopien und Science Fiction-Bücher gefallen und vielleicht schon an der Thematik von Die Tribute von Panem Gefallen gefunden hat.
Insgesamt ist Die Bestimmung der erste Teil einer Trilogie. Der zweite Teil erschien 2012 unter dem Namen Insurgent bzw. Die Bestimmung – tödliche Wahrheit, der dritte Teil im April 2014. Im selben Monat kam die Verfilmung des ersten Teils ins Kino.

Und was denkst du dazu?