Alles über mündliche Prüfungen

Dieses Semester habe ich mal keine Klausuren oder Hausarbeiten geschrieben, sondern zwei mündliche Prüfungen abgelegt, die ersten in meinem Studium. Die Erfahrungen, die ich währenddessen gesammelt habe, wollte ich nun mit euch teilen und vielleicht den ein oder anderen Tipp geben.

Wie nach jeder Prüfung ist auch nach den mündlichen Prüfungen eine Last von mir abgefallen. Wochenlang haben mich diese Prüfungen begleitet, mal in positiver Voraussicht, mal in der Verzweiflung, zu wenig und das Falsche gelernt zu haben. Mündliche Prüfungen haben viel mit Klausuren gemeinsam, beispielsweise, dass man für einen festen Termin lernt und an diesem sein ganzes Wissen anwenden muss. Erschwerend kommt bei den mündlichen Prüfungen hinzu, dass man es unter den wachen Augen eines Dozenten vortragen muss. Man kann sich nicht schnell Notizen machen, sondern muss spontan auf Fragen reagieren und sein Wissen einigermaßen verständlich vortragen.

Neben dem reinen Lernen sollte man daher auch zusätzlich an seinem Auftreten, der Lautstärke und Ähnlichem arbeiten. Das mag vielleicht überflüssig erscheinen, sollte aber nicht unterschätzt werden. Ein sicheres Auftreten wirkt in jedem Fall positiv!

Früher dachte ich immer, mündliche Prüfungen werden in einem großen Saal abgehalten, in dem man als Prüfling vorne an der Tafel steht, während die Dozenten von den Plätzen aus Fragen stellen. Immerhin heißt es ja, man “verteidige” seine Bachelorarbeit. Dem ist allerdings nicht so. Man sitzt zusammen mit seinem Prüfer und einem Protokollanten mehr oder weniger entspannt in einem Dozentenbüro. Und wenn man einmal dort ist, vergeht die Zeit super schnell – man hat auch gar keine Zeit, darüber nachzudenken, wie lange es noch dauert. Bei mir waren es zwanzig bzw. dreißig Minuten Prüfungszeit, von meinem Gefühl her jedoch eher zehn.

Mein Tipp: Immer reden! Natürlich sollte es auch einigermaßen mit dem Thema zu tun haben. Sollte man jedoch merken, dass man zu einem bestimmten Aspekt nicht viel zu sagen hat, kann es helfen – wenn es der Gesprächsverlauf zulässt –, den Bogen zu einem anderen Thema zu schlagen, in dem man sich wohler fühlt oder ein Thema, wozu der Dozent möglicherweise nur eine oberflächliche Frage stellt, etwas zu vertiefen. Sollte es allzu weit vom eigentlichen Thema abschweifen, wird einen der Dozent schon darauf hinweisen.
Nicht immer mag das gelingen. Ich kann aus eigener Erfahrung aber nur sagen, dass man kompetenter wirkt, wenn man viel zu sagen hat, als wenn man bei jeder Frage erst einmal in nachdenkliches Schweigen verfällt.

Wenn man mal etwas nicht weiß, bekommt man nicht sofort eine Note abgezogen. Es ist durchaus erlaubt, Rückfragen zu stellen. Ganz wichtig: Sich nicht von vornherein als schlecht verkaufen! Äußert man Selbstzweifel, sagt, dass man aus irgendwelchen Gründen nicht viel gelernt hat, ist der Eindruck des Dozenten von Anfang an getrübt. Es zählt, sich in diesen Minuten gut zu präsentieren, ganz gleich, ob man irgendein Thema nicht ganz so gut kann. Prahlen sollte man natürlich auch nicht, aber das versteht sich wohl von selbst.

Wie auch in vielen Klausuren ist es in den mündlichen Prüfungen so, dass man übermäßig viel lernt und am Ende aufgrund der Zeit weniger als ein Bruchteil abgefragt wird. In meinem Fall musste ich eine etwa hundertseitige Grammatik durcharbeiten, wovon rein gar nichts abgefragt wurde. Das heißt natürlich nicht, dass man sich die Mühe nicht machen sollte oder darauf setzt, dass das Thema, was man sowieso nicht kann, auch nicht drankommt. Man muss jedoch damit rechnen, dass manche Themen nicht geprüft werden.

Letztlich verläuft jede Prüfung individuell, weshalb es schwer ist, allgemeingültige Ratschläge zu erteilen. Viel hängt auch vom Dozenten ab. Meistens kennt man den prüfenden Dozenten durch Seminare o. Ä. aber schon und kann einschätzen, worauf er/sie Wert legt. Man sollte sich im Übrigen nicht davor scheuen, vorher alle Modalitäten abzufragen. Mir hätte in meiner zweiten Prüfung etwa geholfen zu wissen, ob alle Texte einzeln geprüft werden oder themenbezogen.

Fazit: Auch für mündliche Prüfungen gilt: Ernst nehmen, sich nicht verrückt machen und sich gut präsentieren! Das mag dem einen eher liegen als dem anderen, aber wenn man zeigt, dass man etwas weiß und es einigermaßen verständlich präsentieren kann, hat man damit schon viel gewonnen :)

Und was denkst du dazu?