Depressionen

 

Depressionen sind wie das Meer.

Die kalten, dunklen Wassermassen umgeben dich,

Endlos in jede Richtung.

Es gibt Tage, an denen schwimmst du.

Das Meer ist ruhig, der Himmel blau.

Manchmal ist sogar Ebbe

Und du kannst stehen und das Ufer sehen.

Doch manchmal ist Flut

Und das Meer wütet und reißt und wirbelt.

Das Schwimmen ist so anstrengend.

Du schwimmst und schwimmst

Und keuchst und keuchst,

Bis du keine Kraft mehr hast.

Und dann sinkst du.

Die Wassermassen saugen dich in die Tiefe.

Alles wird dunkel.

Der Druck auf deiner Brust wird immer schwerer.

Dir geht die Luft aus.

Deine Lungen wollen zerbersten.

Du schlägst um dich, versuchst aufzutauchen.

Doch das Meer krallt sich an dir fest.

Du ertrinkst, du kannst nicht mehr, du willst aufgeben.

Und dann wachst du auf

Und du bist in deinem Bett,

Sicher und warm

In deine Decke eingehüllt

Und in der Ferne flackert

Ein Leuchtturm.

 

Depressionen sind wie ein dunkler Wald.

Die riesigen, knorrigen Bäume umgeben dich,

Endlos in jede Richtung.

Es gibt Tage, an denen schlenderst du.

Die Blätter sind saftig-grün, eine Sommerbrise weht.

Manchmal scheint sogar die Sonne

Und du hörst die Vögel und kannst den Weg sehen.

Doch manchmal regnet es

Und der Wind peitscht und zerrt und gefriert.

Das Laufen ist so anstrengend.

Du läufst und läufst

Und keuchst und keuchst,

Bis du keine Kraft mehr hast.

Und dann fällst du.

Der Matsch saugt dich zu Boden.

Alles wird dunkel.

Die Wurzeln umschlingen deine Arme und Beine immer fester.

Dir geht die Luft aus.

Deine Knochen wollen zerbersten.

Du schlägst um dich, versuchst dich zu befreien.

Doch die Äste pressen dich nieder.

Du wirst zerdrückt, du kannst nicht mehr, du willst aufgeben.

Und dann wachst du auf

Und du bist in deinem Bett,

Sicher und warm

In deine Decke eingehüllt

Und in der Ferne flackert

Ein Glühwürmchen.

 

Depressionen sind wie ein Feuer.

Die heißen, zischenden Flammen umgeben dich,

Endlos in jede Richtung.

Es gibt Tage, an denen stehst du daneben.

Die Flammen sind klein, Steine begrenzen die Stelle.

Manchmal singen die Flammen sogar

Und du kannst deine Hände wärmen und deine Freunde sehen.

Doch manchmal stehst du mittendrin

Und das Feuer kreischt und kracht und verbrennt.

Das Stehen ist so anstrengend.

Du stehst und stehst

Und keuchst und keuchst,

Bis du keine Kraft mehr hast.

Und dann brichst du zusammen.

Die Flammen verkleben deine Haut mit dem Holz.

Alles wird blendend hell.

Die Flammen zerren gierig an deiner Kleidung und deinen Haaren.

Du schlägst um dich, versuchst zu entkommen.

Doch das Feuer verschlingt dich.

Du wirst verbrannt, du kannst nicht mehr, du willst aufgeben.

 

Und irgendwann

Kannst du nicht mehr

Schwimmen

Laufen

Stehen.

Irgendwann

Ertrinkst du

Erfrierst du

Verbrennst du.

Und es ist

Hell und dunkel zugleich.

Der Wald wird überflutet, das Meer brennt.

Deine Welt zerbricht.

Und mit ihr

Zerbrichst du.

 

 

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