“Die Romantherapie” – Bücher als Heilmittel gegen die Leiden unserer Zeit?

Zu Weihnachten schenkte mir Toni das Buch Die Romantherapie – 253 Bücher für ein besseres Leben von  mit einer klaren Leseempfehlung. Vor einigen Tagen habe ich dieses Buch gelesen, wobei gesagt sein soll, dass dieses Buch keines von denen ist, die man einmal liest und dann auf ewig ins Regal verbannt. Vielmehr ist es ein Ratgeber, ein Buch für jede erdenkliche Lebenslage, das nie alt wird.

Allgemeines

Die Romantherapie – 253 Bücher für ein besseres Leben wurde von Ella Berthoud, Susan Elderkin und Traudl Bünger verfasst und erschien 2013 unter dem Originaltitel The Novel Cure. An A to Z of Literary Remedies  bei Canongate Books. Im selben Jahr erschien es in der Übersetzung von Katja Bendels und Kristen Riesselmann im Insel Verlag.

Bücher als Therapie?

Eindrucksvoll führen uns die Autorinnen in ihrem Werk die Kraft vor Augen, die Bücher haben können. Manch einer mag das Lesen verteufeln und es als langweilig abstempeln, was natürlich völlig legitim ist. Die Einstellung des Lesers entscheidet letztlich über den „Erfolg“ eines Buches. Eine Geschichte kann noch so gut geschrieben sein, aber wenn sich der Leser nicht auf sie einlassen mag oder kann, dann wirkt diese Geschichte nicht. Man kann ein Buch oberflächlich lesen oder man kann sich in die jeweilige Welt hineinversetzen, man kann die Figuren begleiten, mit ihnen leiden und sich mit ihnen freuen, so merkwürdig das vielleicht klingen mag. Auch wenn es nur Suggestion und Einbildung ist; auch wenn ein Buch realistisch gesehen nur aus schwarzen kleinen Buchstaben und vielen Seiten besteht; Lesen kann eine ungeheure Wirkung haben.

Jeder Leser empfindet anders, fühlt sich in anderen Geschichten wohl und holt das für sich heraus, was ihm als wichtig erscheint, weshalb jeder ein Werk auf eine andere Art interpretieren kann. Daher glaube ich, dass das Lesen durchaus Menschen mit Problemen helfen kann, wenigstens für die Zeit der Lektüre ihre Sorgen zu vergessen und vielleicht sogar so gestärkt daraus hervorzugehen, dass man die Kraft findet, etwas zu verändern.

Für diejenigen, die gerne lesen, ist dieses Buch auf jeden Fall ein Gewinn und wärmstens zu empfehlen. Natürlich beruhen die vorgestellten Bücher und Tipps auf der subjektiven Beurteilung der Autorinnen, und wenn von den besten Bücher die Rede ist, muss das nicht jeder so empfinden, aber zumindest gibt diese Liste einen Einblick in die Vielfalt der Bücherwelt. Es werden Bücher von Autoren aller Zeiten und aller Nationalitäten dargestellt, was ich als Bereicherung empfinde, da ich bisher hauptsächlich mit deutschsprachiger Literatur in Kontakt gekommen bin und so neue Eindrücke von anderssprachigen Werken bekommen habe.

Für alle anderen sei erwähnt, dass dieses Buch trotz seiner Länge von 430 Seiten bis zum Ende humorvoll und kurzweilig ist. Die Autorinnen haben sich sehr vielen Alltagsthemen gewidmet, die alphabetisch angeordnet sind. Von „Angst“ über „Bluthochdruck“ bis zur „Unfähigkeit, das Bett zu verlassen“ ist alles dabei, was den Menschen bewegt. Jedem Thema sind ein bis drei Seiten gewidmet, außerdem gibt es regelmäßig Querverweise zu ähnlichen Themen im Buch, die die einzelnen Abschnitte untereinander verbinden. An der Seite ist vermerkt, welche Bücher im jeweiligen Abschnitt vorgestellt werden. Aufgelockert werden die Abschnitte durch Bücherlisten (“Die zehn besten Bücher zum Thema …”) und Therapietipps. Langeweile dürfte somit vorgebeugt sein.

Zum Schluss soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Autorinnen das Buch nicht nur zum Spaß
geschrieben haben, sondern sogar Sitzungen zur „Bibliotherapie“, wie sie den Einsatz von Büchern zur Behandlung nennen, anbieten. In unserer digitalen Welt heutzutage bin ich froh, dass es doch noch Menschen gibt, die auf die Kraft des gedruckten Buches als Heilmittel vertrauen, anstatt auf Drogen oder Smartphones.

Und was denkst du dazu?