Die Reihen lichten sich langsam - nach der 3. Stunde...

Die Zeit vergeht – 2. Semester

Es ist Anfang Februar. Während der Frühling mit Stürmen und heftigen Gewittern langsam seine Ankunft vorbereitet und Fastnacht im wahrsten Sinne vom Winde verweht wurde, haben die Semesterferien bei mir begonnen. Schon wieder könnte ich fast sagen, denn um Weihnachten herum hatte ich ja bereits frei.

Das Sommersemester kam mir kurz vor, aber das Wintersemester steht dem in Nichts nach, obwohl es eine Woche länger dauert. Es ist unglaublich, wie schnell die Zeit vergehen kann, wenn man Spaß an etwas hat.

Vor knapp einem Jahr habe ich Abitur geschrieben, die Schulzeit lag in ihren letzten Zügen. Zu dieser Zeit habe ich mir noch keinen Begriff davon gemacht, wie es ist, zu studieren, denn ich war voll im Schulleben integriert und konnte mir nichts anderes vorstellen. Inzwischen habe ich zwei Semester hinter mich gebracht und kann mir nichts anderes mehr vorstellen. Vielleicht bin ich einfach der Typ, der gerne lernt und Wissen erwirbt und sich andere Leute sucht, zu denen er aufschauen kann. Andere hingegen schätzen das Studentenleben wegen der Feste und Partys. Es ist natürlich jedem selbst überlassen, was er aus seinem Tag macht und was ihm letztlich wichtiger ist.

Uni morgens

Uni morgens

Dazu muss man aber auch sagen, dass ich nicht für eine eigene Wohnung sorgen und meinen Stundenplan so legen muss, dass Zeit für den Nebenjob besteht. Ich kann mich ganz auf mein Studium konzentrieren, was bei den meisten nicht so ist. Darum kann ich verstehen, wenn die Vorlesungen teilweise nicht so gut besucht sind, wie sie es sein sollten. Ein Studium kann man ohne Geld einfach nicht stemmen.

Uni abends

Uni abends

An die Schule denke ich inzwischen fast gar nicht mehr. Es bringt eben nichts, den vergangenen Zeiten hinterherzutrauern. Aber ich habe auch keinen Grund dazu. Das, was ich in der Schule hatte, habe ich auch in der Uni – teilweise sogar noch besser.

In der Uni habe ich tolle Leute kennengelernt (und teilweise auch alte wiedergesehen), und das betrifft ausdrücklich Studenten und Dozenten. Natürlich kann ich nur für meine Fächer reden, aber sowohl in Germanistik als auch in Theaterwissenschaft gibt es viele sympathische Dozenten!

Sicher kommt man nicht mit jedem aus, und man findet nicht jede Veranstaltung interessant; auch ich hatte mindestens einen Kurs, durch den ich mich jede Woche quälen musste. Trotzdem neigt man ja schnell dazu, solche Dinge zu vergessen, wenn der Rest stimmt.

Ein großer Schritt voraus

Als ich angefangen habe zu studieren, wusste ich noch nicht, was ich später einmal werden will. Anderen habe ich immer „Journalismus“ gesagt, aber inzwischen weiß ich, dass das nichts für mich ist (vor allem zweifele ich daran, wie unabhängig und frei Journalisten wirklich arbeiten können). Es wäre schrecklich für mich, in einem Großraumbüro zu sitzen und nur einer von vielen zu sein.
Ich wollte, dass mein Beruf etwas mit Literatur zu tun hat. Aber weder Lektorin noch Bibliothekarin sagten mir zu. Dank einer Anregung weiß ich nun aber genau, was ich sein möchte, auch wenn ich gar nicht weiß, wie die genaue Berufsbezeichnung lautet: Ich will unbedingt wissenschaftlich mit und in der Literatur arbeiten und selbst Dozent werden. Dieser Beruf vereinnahmt nämlich alles, was ich gerne tue: Literatur, Schreiben, Wissen aneignen und vermitteln.
Lehrer wollte ich hingegen nie sein! Als Lehrer ist man über Jahre hinweg mit einer Klasse verbunden, man muss sich um Organisatorisches kümmern und nach Lehrplan unterrichten (Literatur ist im Deutschunterricht ja leider eher Nebensache). Außerdem hat man als Lehrer eine gewisse Pflicht, die Schüler zu erziehen. Gerade jüngere Kinder im Griff zu haben und gleichzeitig Bildung zu vermitteln stelle ich mir unglaublich schwer vor. In der Uni sitzen Leute, die sich freiwillig dort angemeldet haben. Zwar kann man auch über deren Verhalten manchmal den Kopf schütteln, aber es sind Erwachsene, die theoretisch wissen, wie man sich benehmen sollte.

Warum ich das nun alles erzähle? Vor Beginn des letzten Semesters wurde ich gefragt, ob ich in Germanistik ein Tutorium leiten könne zu einem Kurs, den ich selbst im ersten Semester (also im Prinzip wenige Wochen vorher) besucht habe. Der Kurs nennt sich „Grundlagenseminar zur älteren deutschen Literatur“ und beschäftigt sich mit mittelhochdeutscher Literatur.
Ein Tutorium ist eine freiwillige Veranstaltung, in der Studenten, die eben diesen Kurs besuchen, Übersetzungs- und Grammatikübungen machen und Fragen stellen können. Pro Semester gibt es 4-6 Leute, die solch ein Tutorium zu unterschiedlichen Zeiten leiten.
Und nun wurde ich gefragt. Ich. Im zweiten Semester. Ich, die mit 19 vermutlich noch einer der jüngsten unter den Studenten ist.
Natürlich habe ich sofort zugesagt.

Wenn Geräte auseinanderfallen...

Wenn Geräte auseinanderfallen…

Da ich selbst im ersten Semester kein solches Tutorium besucht habe, wusste ich anfangs nicht, wie genau ich es strukturieren soll. Ich habe mir dann aber doch einen Plan ausgearbeitet und bin ensprechend in die erste Stunde gegangen. Es war furchtbar! Dreißig Leuten in einem viel zu kleinen Raum, in dem alle Anwesenden (inklusive mir) an einer großen Tischrunde sitzen mussten. Im Laufe des Semesters, als sich die Runde auf die “Stammgesellschaft” reduzierte, wurde es aber ein wunderbares Erlebnis. Dadurch, dass ich mich zur Vorbereitung noch einmal mit dem Mittelhochdeutschen auseinandersetzen musste, verstehe ich nun auch den Stoff aus dem ersten Semester viel besser. Nicht alles lief perfekt im Tutorium, aber man lernt ja bekanntlich aus Erfahrungen und die werde ich umsetzen, falls ich nächstes Semester noch mal gefragt werde.

Durch diese Sache ist mir übrigens klar geworden, dass Erfolg eine Mischung aus Glück, Können und harter Arbeit ist. Das Glück besteht darin, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein – das kann man leider nicht planen. Und „Harte Arbeit“ bedeutet übrigens nicht immer nur Lernen oder besonderer Eifer. Manchmal reicht es auch schon, ein möglichst positives Bild zu hinterlassen.

Ausblick

In Germanistik habe ich dieses Semester hauptsächlich Veranstaltungen zur älteren Literatur besucht, was ich extra so gelegt habe, um im nächsten Semester nur neuere Literatur machen zu können. Auf mich warten unter anderem eine Vorlesung zur Natur und Lyrik im 19. Jhd, ein Seminar zum Epischen Theater und ein Seminar zum jungen Goethe, das ich laut Prüfungsordnung eigentlich gar nicht besuchen könnte, was ich aber trotzdem freiwillig belege, weil es gar kein besseres Thema für mich gibt und der leitende Dozent ziemlich cool ist. Das Studium ist nur sechs Semester lang, warum diese Zeit also nicht nutzen?

Ein kurzer Snack

Ein kurzer Snack

In Theaterwissenschaft habe ich dieses Semester die zwei Grundlagenmodule, die Vorlesungen und Seminare zur Theatergeschichte und zu kulturwissenschaftlichen Phänomenen beinhalten, abgeschlossen. Da die Vorlesungen verhältnismäßig spät lagen, kam ich jeden Montag erst gegen 20 Uhr nach Hause und mittwochs gegen 19 Uhr nach Hause. Das ist jetzt glücklicherweise erst mal vorbei! Die folgenden Semester sind vom Themenspektrum breiter angesiedelt. Ich muss eine Vorlesung, eine Übung und ein Seminar besuchen, wobei erstere als Blockveranstaltungen an Wochenenden stattfinden. Dementsprechend habe ich wöchentlich nur ein Seminar.

Mein Leben in den letzten Wochen war zugegebenermaßen relativ stressig. Für mich stand zwar noch keine Hausarbeit auf dem Plan, dafür aber gleich vier Klausuren, die alle innerhalb von etwa einer Woche stattfanden. Dementsprechend habe ich fast den ganzen Januar mit Lernen verbracht.
Kein einziges Buch habe ich im Januar lesen können!

Zum Glück habe ich jetzt erst einmal bis Mitte April frei und nutze diese Zeit, bis ich mich in mein drittes Semester stürzen werde!

Und was denkst du dazu?