Über das Lesen und Schreiben

Wir finden es interessant, welche Gründe dazu geführt haben, dass sich jemand für dies oder jenes entscheidet, schließlich wird keiner geboren und weiß sofort, welche Interessen er später einmal haben wird. Zu diesem Zweck möchten wir heute ein wenig aus unserer Vergangenheit erzählen, denn nicht immer waren wir so versessen nach dem Schreiben oder dem Lesen wie heute.

Was sind deine Lieblingsbücher?

[Davi:] Goethes “Werther”, “Kein Ort. Nirgends” von Christa Wolf, Dürrenmatts “Der Richter und sein Henker” sowie die historischen Romane von Robert Löhr
[Toni:]

Wie oft liest Du bzw. wie sieht generell Dein Leseverhalten aus?

[Davi:] Ich besitze eine lange Liste an Büchern, die ich nach und nach kaufe (manchmal auch ausleihe) und dann lese. Hin und wieder entdecke ich auch durch Zufall ein neues Buch, das mir so gut gefällt, dass ich es unbedingt haben muss. Ich habe es schon geschafft, mehr als 50 Bücher im Jahr zu lesen, inzwischen hat es sich zeitbedingt auf ungefähr 25-30 eingependelt. Ich habe die Angewohnheit, dass ich Bücher gerne am Stück lese und dann auch kein anderes Werk nebenbei anfange, um mich vollkommen auf die eine Welt zu konzentrieren. Eine weitere merkwürdige Sache an mir ist, dass manche Bücher sehr lange bei mir im Regal verweilen, weil ich mich aus verschiedenen Gründen nicht an sie “herantraue”.
[Toni:]

Liest Du Bücher auch doppelt?

[Davi:] Allein schon von der Uni aus ist das manchmal gar nicht anders möglich, ansonsten kommt es auf das Buch an. Ich glaube, solche anstrengenden Romane wie Ulysses oder Anna Karenina werde ich kein zweites Mal zur Hand nehmen.
[Toni:]

Wie bist Du zum Lesen gekommen?

[Davi:] Zum Lesen hatte ich in meiner Kindheit ein zwiespältiges Verhältnis. Ich habe es nicht gehasst, aber es auch nicht unbedingt gerne getan. Wenn ich gelesen habe, dann waren es Sachbücher mit vielen Bildern und großer Schrift und selten auch einen Band der “Drei Fragezeichen”. Romane und Erzählungen las ich allerdings mit viel Ehrgeiz, vor allem Schullektüren. In der sechsten Klasse lernte ich bei einer Buchvorstellung das erste Mal das Gefühl kennen, sich für ein Buch zu interessieren. Aber für mich war es damals unvorstellbar, mir ein Buch zu wünschen! Mein eigentlicher Leseanreiz kam 2009. In diesem Jahr sah ich – im Prinzip nur durch Zufall – den Film “Twilight” und las dazu alle Bücher. Was auch immer man von dieser Reihe halten mag, ich habe durch sie angefangen, Romane zu lesen, wofür ich ihr dankbar bin.
[Toni:] Schwer zu sagen. Früher habe ich nicht wirklich gelesen, aber es auch nicht abgelehnt. Die Wolfsaga, die ich in der 5. oder 6. Klasse gelesen haben, war dann wohl das erste dicke Buch, das ich gelesen habe und war auch der Grund, warum ich danach sehr viel gelesen habe. Das Buch hat mich gepackt und fasziniert und mir gezeigt, dass Bücher gar nicht so langweilig sind, wie viele behaupten. Bis heute lese ich immer noch sehr gerne.

Wie oft schreibst Du bzw. wie sieht generell Dein Schreibverhalten aus?

[Davi:] Wie beim Lesen habe ich manchmal Phasen, in denen es mir schwer fällt, mich zum Schreiben zu motivieren. Wenn ich es dann aber geschafft habe, konzentriere ich mich nur darauf. Meistens schreibe ich an freien Tagen, um mich voll auf das Schreiben zu konzentrieren und das Pensum, das ich mir setze, abarbeiten zu können.
[Toni:] Ich könnte nicht sagen, dass ich pro Tag schreibe. Wenn ich schreibe, variiert es zwischen zwei und zehn Seiten. Aber ich schreibe nicht immer.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

[Davi:] In der Grundschule war ich ziemlich durchschnittlich im Schreiben von Aufsätzen. Damals war ich noch so weit, um mich in Personen hineinzuversetzen oder auf die Wortwahl zu achten. Es hat mich aber auch nicht weiter gekümmert. In den ersten Jahren meiner Schulzeit habe ich eine Art Tagebuch zu bestimmten Ereignissen geführt, aber nur sehr unregelmäßig. Meine erste, aus eigenem Antrieb verfasste Geschichte war Anfang 2007 ein mit grünem Filzstift geschriebener und fünf DinA4 Seiten langer Tagebucheintrag zu dem Spiel Animal Crossing für einen Forumsbeitrag. Zur siebten Klasse hin prägte sich langsam meine Interesse für die deutsche Sprache aus. Durch den sehr guten Deutschunterricht bekam ich die ersten Stilmittel vermittelt und immer öfter waren meine Aufsätze besser als eine Drei. 2008 entdeckte ich meine Leidenschaft für Animes (wieder). Wohl aus Unzufriedenheit über den Verlauf einer Serie, die ich damals verfolgt habe, entwickelte ich meine eigenen Geschichten, woraus vier etwa zwanzigseitige Staffeln entstanden, an denen ich bis Januar 2011 schrieb. 2009 machte mich Toni auf einen Schreibcontest aufmerksam, an dem sie teilnehmen wollte. Trotz der Tatsache, dass ich in meinem Bundesland nicht teilnehmen durfte, schrieb ich einen größtenteils wahrheitsgemäßen Text über unser Kennenlernen, den ich später in einer anderen Kurzgeschichte verarbeitete. Kurz darauf entwickelten wir unsere gemeinsame Website. Vorerst blieb ich jedoch nur beim Verfassen von Kurzgeschichten, denn ich traute es mir nicht zu, längere Geschichten oder gar Romane zu schreiben. Und mein erstes Gedicht war eine Katastrophe! 2012 begann ich, meine ersten Dramen und Romane zu schreiben, worauf ich sehr stolz bin.
[Toni:] Gewissermaßen habe ich schon immer “geschrieben”. Schon mit drei Jahren fing ich an, selbst erdachte Geschichten zu erzählen und hatte sehr lebhafte Träume und Fantasien, was viele überrascht hat. Schon bald habe ich angefangen, meine Geschichten in Bildern zu erzählen. Sobald ich schreiben konnte, brachte ich diese Geschichten auch – so gut es ging – zu Papier.
Meine erste richtige und lange Geschichte schrieb ich in der 2. Klasse – über 17 Din A 5 Seiten (in großen Druckbuchstaben XD). Danach begann ich dann richtig zu schreiben. Zur 4. Klasse hin schrieb ich dann weniger und bis zur 6. dann gar nicht. Bis sich in meinem Kopf ein Netz aus Ereignissen zusammen sponn und ich mich so an meinen Roman setzte. Vor etwas längerer Zeit habe ich mich dann für einen Schreibwettbewerb beworben und habe eine Geschichte geschrieben und eingesendet. Das war dann der Ausschlaggeber und ich fing wieder an Geschichten zuschreiben.

Woher bekommst Du die Ideen?

[Davi:] Durch reale Ereignisse, Träume, Bilder, Musik, Bewegtbild und oft genug auch durch bloßes Nachdenken.
[Toni:] Ideen finde ich überall. Alles, was ich erlebe, wird durch meinen Protagonist verarbeitet. Ob das in meine Geschichten oder Bücher kommt, ist eine andere Frage. Aber ja, ich gebe zu, dass ich Menschen und Ereignisse in meinen Bücher verarbeite, wie es viele Autoren tun. Viele Idee kommen mir durch Musik, einige auch durch Filme und Träume. Das Meiste aber entspringt mir einfach irgendwann plötzlich aus meinen Gedanken und da ist es. Keine Ahnung, wo diese Sachen herkommen. ^^

Was findest Du am Schreiben am Besten?

[Davi:] Als Schriftsteller steht man allein auf einem weiten Feld, auf dem sich Wünsche, Träume und Fantasien befinden, die man nach Belieben zu einer Geschichte formen kann. Man selbst entscheidet, wie letztlich das Ergebnis aussehen wird. Wenn man es richtig handhabt, muss man auf diesem Feld keine Schlacht austragen, d. h. Schreiben ist nicht zwingend eine Qual. Ich mag es, Geschichten zu interpretieren oder selbst zu schreiben und diese dann immer wieder zu lesen.
[Toni:] Die Charaktere. Die eigene Idee auf Papier verwirklicht zu sehen. Das Verarbeiten des Alltags. Alles.

Was sind Deine typischen Merkmale bei deinen Geschichten?

[Davi:] Das wird mir ein Leser wohl eher sagen können als ich. Früher habe ich gerne in der Ich-Perspektive geschrieben, inzwischen nicht mehr ausschließlich. Generell liegt jedem meiner Texte eine moralische, politische oder gesellschaftliche Fragestellung zugrunde. Ich könnte nichts schreiben, das ausschließlich der Unterhaltung dient.
[Toni:] Ich würde nicht sagen, dass ich besondere Merkmale habe. Zumeist haben meine Geschichten eine sehr übertragene Bedeutung und sind eher dunkel. Außerdem neige ich dazu, viele Dialoge einzubauen, und ich versuche immer, sehr authentisch mit den Charakteren zu schreiben (in meinem Buch zumindest).

Was verbindet Dich mit deinen Geschichten?

[Davi:] Die Figuren, die Welt, die Situationen – meine Geschichten enthalten nicht nur meinen eigenen Schreibstil, sondern auch Gedanken, Wünsche und Ansichten. Es ist nicht so, dass man eine Geschichte niederschreibt und sie dann nie wieder ansieht, sondern es handelt sich um einen ewigen Prozess, bei dem manche Geschichten nie fertig werden wollen. Natürlich gibt es welche, die man lieber mag, und andere, die man oft überarbeitet und doch nicht passen, trotzdem sind sie alle zu einem gewissen Zeitpunkt meines Lebens aus einer Symbiose von Willen und Leidenschaft entstanden.
[Toni:] Die Charaktere oder die Hintergrundidee. Die Charaktere sind mir meist sehr nahe und enthalten Aspekte meiner eigenen Persönlichkeit. Und die Idee hinter einer Geschichte kann man immer auf ein Ereignis meines Lebens oder einen Gedanken/Wunsch, die ich dort verarbeite, zurückführen.

Bist du der Meinung, dass jeder Geschichten schreiben kann, oder muss man dazu ein Talent haben?

[Davi:] In Biologie hieß es damals, dass ein Talent zu 20% aus Anlage und zu 80% aus harter Arbeit besteht. Ich weiß nicht, ob ich hart gearbeitet habe, ich weiß nicht einmal ob ich wirklich Talent habe. Was ist das überhaupt? Wer legt fest, ob jemand im Schreiben talentiert ist oder nicht? Im Grunde basiert dieser Begriff nur auf persönlichen Ansichten. Von mir jedenfalls kann ich sagen, dass durch verschiedene Faktoren mein Interesse am Schreiben geweckt wurde und ich dieses Interesse zu meiner Leidenschaft gemacht habe. Natürlich hat es einige Versuche gebraucht, ich habe mit der Zeit neue Ausdrücke gelernt und mir einen “erwachseneren” Stil angeeignet. Aber war das wirklich Arbeit oder ein natürlicher Prozess infolge des Älterwerdens? Ich denke, man muss sich für etwas wirklich interessieren, dann kommt das Talent schon von allein. Beispielsweise habe ich früher “das” und “dass” ständig verwechselt, weil es mir egal war. Jetzt würde ich diesen Fehler nie mehr absichtlich machen, weil mir Rechtschreibung wichtig ist. Man sollte also offen sein für Neues und nicht direkt zu Beginn Dinge ablehnen, weil man sie nicht kennt oder glaubt, dass sie einem nicht gefallen können.
[Toni:] Zwar hilft es natürlich, Talent zu haben oder kreativ zu sein. Denn dann fliegen die Idee einem zu oder man findet immer die richtigen Worte. Trotzdem bin ich durchaus der Meinung, dass man Schreiben lernen kann. Viel zu lesen kann hier sehr helfen. Man muss sich einen breiten Wortschatz aneignen, interessante grammatikalische Konstruktionen und Stilmittel kennenlernen und sich inspirieren lassen. Alles sicherlich nichts, was man nicht lernen könnte. Man muss eben nur viel Arbeit reinstecken. Aber das muss man mit Talent ebenfalls.

Und was denkst du dazu?