Kleine mittelhochdeutsche Reihe: Minnesang

Als Minnesang bezeichnet man eine ritualisierte Form gesungener Liebeslyrik, die von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis um 1300 vorrangig an europäischen Höfen praktiziert wird. Das Wort leitet sich vom mittelhochdeutschen Begriff minne für Liebe ab, die das Grundmotiv der breit gefächerten Minnesangtradition bildet.
Während in der Frühphase des Minnesangs um 1150 vor allem Lieder mit Langzeilenstrophen do­minieren, welche oftmals nur ein bis zwei Strophen lang sind und Männer und Frauen im Wechsel zu Wort kommen lassen, entwickelt sich in der Hochphase des Minnesangs ab 1180 die sogenannte Hohe Minne, bei der die unerfüllte Liebe eines Sängers zu einer höhergestellten Dame der Gesell­schaft reflektiert und beklagt wird. Typisch für diese Phase ist die Hinwendung zur Mehr­strophigkeit und zur Kanzonenform (einer gängigen Liedform des Mittelalters). Inhaltlich neu ist die Verknüpfung der Themen Liebe und Kreuzzug sowie – bei Walther von der Vogelweide – die kritische Auseinandersetzung mit der Minne und dem Minnesang. In der Spätphase des Minnesangs ab 1210 werden die bisherigen Formen parodiert oder formal weiterentwickelt. Phasenübergreifend verwenden die Dichter häufig Naturelemente und -bilder in ihren Liedern. Beim Minnesang geht es nicht um real empfundene Liebe oder den Ausdruck romantischer Gefühle. Vielmehr ist er Teil der höfischen Kunstpraxis, in dessen Rahmen er der Repräsentation der ritterlich-adligen Gesellschaft dient.
Frauenlob wird gern als der ‚letzte Minnesänger‘ bezeichnet und ist – obgleich ihm nur sieben Minnelieder als echt zugeschrieben werden – einer der markantesten Vertreter der Gattung. Zu seinen wichtigsten Vorgängern gehören Heinrich von Morungen, Walther von der Vogelweide und Konrad von Würzburg. Mit seinen sprachlich wie inhaltlich hoch artistischen Liedern gibt Frauenlob dem Minnesang eine ganz eigene, unverwechselbare Prägung.

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